Seidenorganza entbasten

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Diese Abbildung zeigt einen entbasteten Seidenorganza 2.8 (farbintensiv und gleichzeitig federleicht und schmuseweich!):

Organza nimmt Farbe besonders schön an und seine natürliche Steifheit ist eigentlich sehr beliebt, da diese die Gestaltung edler Schals, Stolen, Bekleidung oder Wohnaccessoires erlaubt. Die Steifheit stammt vom natürlichen Seidenleim, der bei Organza bewußt nicht vollständig entfernt wird.
Für manche Projekte wird aber ein weiches, fließendes Organzagewebe gewünscht.
Es gibt eine einfache Möglichkeit, den Seidenleim zu entfernen (d.h. den Stoff zu entbasten): man kocht ihn zusammen mit Soda ca. 30 Minuten im Topf.
Seidenorganza 2.8 wird so zur feinsten Schleierseide - leichter noch als Chiffon, zudem glatter und glänzender!
Auch der etwas schwerere Seidenorganza 5.5 wird wunderbar weich, und seine intensive Farbwiedergabe bleibt -gemessen an seinem geringen Stoffgewicht- unvergleichlich schön!

Beim Organza, der oben abgebildet ist, wurde die feuchte Seide, nach Entfernen des Seidenleims, in der Mitte gefaltet und auf die glatte Rückseite einer Noppenfolie gelegt. Mit einem breiten Pinsel habe ich dampffixierbare Seidenmalfarbe zügig aufgetragen und die Flächen mit einem trockenen Pinsel in einander verrieben. Der leicht strukturierte Untergrund ergibt -ganz ohne Anstrengung- ein hübsches Muster… Nach dem Trocknen die Seide fixieren, dann bügeln. Das ergibt zum Beispiel einen voluminösen, werich fallenden Schal (den man noch plissieren könnte) oder Stoff für ein transparentes Oberteil (das man noch stellenweise befilzen könnte).

REZEPT FÜR EINFACHES ENTBASTEN:
Einweichen:
Den Stoff zuerst für etwa 10 Minuten in Wasser einweichen.
Kochen in Sodalösung:
Rezept: Die Menge des Sodas muss abgestimmt werden auf das Gewicht des Gewebes. Man geht dabei von 8-10% des Stoffgewichts aus. Nehmen wir mal an, wir wollen 2m Organza 5.5 (105cm breit) entbasten. Das Stoffgewicht beträgt 52g/m, d.h. 2m dieses Gewebes wiegt dann 104g.
10% davon entsprechen etwa 10g, was wiederum etwa einem gestrichenen Esslöffel entspricht. Soda in etwa 1 Liter Wasser vollständig auflösen und diese Lösung, zusammen mit einem Tropfen Spülmittel ins Kochwasser geben (wir haben hier etwas etwas mehr Wasser genommen, das hat ebenfalls funktioniert). Den Stoff darin etwa 30 Minuten köcheln lassen.
Spülen:
Nach dem Abkühlen muss neutralisiert werden. Man gibt den Stoff dazu in ein warmes Bad mit einem Spritzer Essigessenz. Nach dem Spülen das Gewebe ausdrücken und trocknen lassen, dann kann es, wie gewünscht, weiterbearbeitet werden.

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TOLLER EFFEKT: SHIBORI-ENTBASTEN!
Interessante Effekte ergeben sich, wenn der Stoff vor dem Entbasten teilweise reserviert wird. An den abgedeckten Stellen bleibt der Seidenleim bestehen, an den freien Stellen wird entbastet. Wie beim Beispiel oben zu sehen ist, ergeben sich dadurch beim anschließenden Färben zusätzliche Muster.
Die besten Resultate erzeilt man durch Abklemmen mittels Schablonen. Beim Beispiel oben haben wir zum einen zwei gleich geformte Ovale aus Sperrholz verwendet, deren Musterung oben zu sehen ist. Durch den Seidenleim wird die Farbe noch intensiver angenommen - man sieht das an dem “Blütenmuster” oben.
Zusätzlich haben wir Wäschklammern benutzt, die ein attraktives Punktemuster ergeben (man sieht das hier nicht; ein entsprechendes Bild stelle ich in den nächsten Tagen ein).
Das Vorgehen gleicht dem beim Shibori-Färben: der Stoff wird gefaltet, zwischen die beiden identischen Schablonen fest gepresst (dazu nimmt man entweder starke Klammern zur Hilfe oder die Schablonen werden fest mit Schnur umwickelt). Dann wird das Stoffbündel nach dem Rezept oben entbastet und gespült, geöffnet und weiter nach Wunsch bearbeitet.
Dieser Shibori-Effekt eignet sich vor allem für Seidenorganza 5.5 oder schwerer, da er bei diesen Geweben besonders gut zu sehen ist.

Das Rezept haben wir dem Buch von Yoshiko I Wada entnommen:
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Memory on Cloth: shibori now. Description: follow up to first Shibori book; survey of international contemporary artists working most innovatively with shibori in fashion, textile design, wearable art, sculpture (ISBN 4-7700-2777-X).
Es lässt sich direkt über den Shop von Yoshiko I Wada bestellen oder über Amazon.
Hier der Link zu Yoshiko Iwamoto Wadas Website und zu World Shibori Network mit vielen Informationen!

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