Blueprint (Cyanotypie): Fotodruck auf Stoff

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Wie kommt das Bild auf den Stoff?
Blueprint oder Cyanotypie ist ein Fotodruckverfahren, das zu den ältesten Fotografietechniken gehört. Auf hellen Naturstoffen, auf Leinwand und festem Papier ergeben sich wundervolle Bilder in vielfältigen Blauschattierungen, die an Indigofärbungen erinnern. Das Bild oben stammt aus den ersten Versuchen meines Bruders Fritz Jeromin. Die Reihung der Pflanzen hat solch einen hübschen Rhythmus, dass dieser Blueprint immer noch zu einem meiner Lieblingsbilder gehört. Wie wird so etwas also gemacht?

Das Prinzip der Cyanotypie ist einfach!
Kurz zusammengefasst:

Der Untergrund wird mit einer lichtempfindlichen Lösung bestrichen und trocknen gelassen. Auf diesen beschichteten Grund wird dann ein Motiv gelegt und UV-Licht ausgesetzt. Nach dem Belichten wird das Motiv abgenommen und die Reste der Lösung ausgewaschen. Das Motiv ist nun fest auf dem Untergrund.
Wer ein wenig über den geschichtlichen Hintergrund lesen möchte, findet diesen bei WIKIPEDIA und HIER.

So kommen die Bilder mit Blueprint auf den Stoff
1. Stoff beschichten: Um den Stoff lichtempfindlich zu machen, wird er mit einer Salzlösung imprägniert: dazu werden zwei Salze nach Anleitung aufgelöst und diese Mischung auf das Gewebe gebracht, indem entweder der Stoff in die Flüssigkeit getaucht oder diese mit einem Pinsel aufgetragen wird.
In der Regel enthalten die Blueprint-Packungen Salze für 200ml Fotolösung.
REZEPT:
100g Eisen(III)-Ammoniumcitrat und 40g Kaliumeisen(III)-Cyanid werden in 1 Liter lauwarmem Wasser vollständig aufgelöst. Leichte Stoffe werden kurz eingetaucht und ausgedrückt. TIPP: Schwere Stoffe vor dem Auftrag der Fotolösung appretieren (z.B. mit Aquarellgrund oder Stärke). Die Fotolösung bleibt so auf der Oberfläche des Stoffes stehen und sickert nicht ein.
Diese Menge ergibt auf einer dünnen Pongéseide viele Meter Beschichtung, während sie bei schwerer Baumwolle oder Leinen weniger weit reicht.
2. Stoff bei wenig Licht trocknen lassen: Nach dem Trocknen zeigt das Gewebe eine helle gelbgrüne Farbe. Es ist jetzt lichtempfindlich, kann aber in einem Raum ohne direkte Sonnenbestrahlung gelagert werden. Wichtig ist, dass der Stoff beim Trocknen keine Falten bekommt, da diese beim Belichten stören würden.
3. Belichten (Drucken): Der beschichtete, trockene Stoff wird auf eine ebene, glatte Unterlage gelegt. Auf den Stoff kommt nun die Bildvorlage, das Negativ.
Das Negativ deckt den Stoff teilweise ab und sorgt dafür, dass die Belichtung durch die Sonne ein Muster erzeugt: an den freien Stellen verdunkelt sich die Beschichtung und erhält schließlich eine graugrüne Tönung, während die durch die Vorlage abgedeckten Stellen hell bleiben.
Für klare, randscharfe Drucke ist es wichtig, dass die Vorlage überall dicht auf dem Stoff liegt. Pflanzenmaterial also am besten durch eine Glasplatte fest auf den Stoff pressen, dann hat auch der Wind keine Chance…
Die Belichtungszeit variiert zwischen 10-15 Minuten in der prallen Sommersonne bis zu etwa 75 Minuten an dunklen Wintertagen.
Bei schlechten Lichtverhältnissen im Winter kann zum Belichten eine künstliche UV-Lichtquelle eingesetzt werden: z.B. eine Höhensonne.
TIPP KONTROLLSTREIFEN: Um den richtigen Belichtungszeitpunkt für einen kontrastreichen Druck zu bestimmen, wird ein Kontrollstreifen hergestellt: auf einen schmalen Papierstreifen (ca. 20×3cm) werden beim Beschichten des Stoffs gleichzeitig fünf Tropfen der Lösung in gleichmäßigen Abständen aufgetragen. Beim Belichten wird der Streifen direkt neben den Stoff gelegt, damit er die gleiche UV-Strahlung erhält. Zur Prüfung der Belichtungszeit wird der erste Tropfen unter fließendem Wasser abgespült. Wenn das Blau noch nicht richtig ist, nach einigen Minuten den zweiten Tropfen prüfen.
4. Auswaschen (Entwickeln): Jetzt sind wir fast fertig! Der Stoff sollte nur noch unter fließendem Wasser ausgespült werden. Die Farbe verwandelt sich dabei innerhalb von wenigen Sekunden in ein sattes Blau! Auf allen belichteten Partien ist die Beschichtung unlöslich und fest mit dem Stoff verbunden. An den nicht belichteten Stellen wird die Beschichtung ausgewaschen: die ursprüngliche Farbe des Stoffes wird wieder sichtbar.
WICHTIG: solange der Stoff noch feucht ist, kann die Farbe im Stoff noch wandern und den Druck verschwimmen lasen. deshalb liegend trocknen! Innerhalb der ersten Stunden dunkelt der Druck noch etwas nach.

Motive und Vorlagen
Fundstücke direkt auflegen - Naturdruck:
Blätter, Gräser, Federn können aufgelegt, Körner können aufgestreut werden. Aber auch schöne Spitzen, Perlen und ähnliches eignen sich hervorragend.
Folien herstellen, entweder im Copyshop oder am PC:
Familienfotos, Zeichnungen, alte Stiche, Schriften, Stempeldrucke und vieles mehr können auf transparente Folien gebracht werden.
Damit der Fotodruck richtig erscheint, sollte das Motiv bei der Herstellung der Folie als Negativ gedruckt und gespiegelt werden (das ist insbesondere bei Schriften wichtig!).
Blueprints besitzen eine sehr hohe Auflösung. Sie bilden alle Helligkeitsstufen ab. Die Bildschärfe hängt alleine von der Güte und dem Kontrast der Vorlage ab.
Sollen Fotos mit dem Kopiergerät auf eine Transparentfolie gebracht werden, empfehlen wir, einen Farbkopierer zu benutzen, da dieser in der Regel eine höhere Bildauflösung besitzt als ein Schwarz-Weiß-Gerät. Möglichst eine Einstellung wählen, die etwas dunkler druckt als normal.

Das wird gebraucht:
Das Blueprint-Set (zwei Salze für die lichtempfindliche Lösung); einen breiten Pinsel zum Auftragen der Lösung; das Motiv; den gewünschten Stoff (je nach Projekt) und eine Glasplatte, die das Motiv während der Belichtung plan auf dem Stoff hält und vor dem Wind schützt.
Als Grundgewebe kommen alle hellen Naturstoffe in Frage. Zu Beginn raten wir zu leichten bis mittelschweren Stoffen mit glatter Oberfläche (Pongé 08, Crêpe de Chine, Baumwollbatist, Popeline), weil diese sich einfach beschichten lassen und die Motive besonders gut wiedergeben. Für professionelle Experimente eignen sich aber auch Samt und strukturierte Oberflächen! Drucke auf Samt sehen traumhaft aus!

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Echtheiten
Lichtecht: Blueprints besitzen eine Lichtechtheit, die vielen Seidenmalfarben überlegen ist. Sollte der Fotodruck einmal verblassen, ihn einfach in einen dunklen Schrank legen – dort dunkelt er innerhalb von wenigen Tagen wieder nach.
Waschecht: Blueprints können gewaschen werden: bitte mit pH-neutralen Waschmitteln (Seidenwaschmitteln), da Lauge auf Blueprint als Entfärber wirkt. Blaudrucke können chemisch gereinigt werden.

Variationen
Blueprints ergeben bei voller Belichtung und weißem Untergrund einen satten, leuchtenden Blauton, der an Indigo erinnert. Auf beigefarbenem Untergrund erscheint das Blau dunkler und gedeckter. Fotodrucke können auch auf einen gefärbten oder bemalten Stoff aufgebracht werden: die Farben mischen sich dann: ein Blueprint auf rotem Stoff erscheint z.B. als violetter Druck. Blueprints können auch mit Seidenmalfarbe koloriert, zusätzlich bemalt oder bestickt werden

Projekte
Die Fotodrucke eignen sich für eine Vielzahl von künstlerischen Anwendungen. Vor allem im Patchwork-Bereich gibt es inzwischen weltweit Künstlerinnen, die Blueprints für ihre Arbeiten einsetzen. Die Blaudrucke eignen sich z.B. auch für Schals, für Applikationen auf Taschen und T-Shirts, für Grußkarten, für Kissen und andere Wohndekorationen und vieles mehr. Auf Märkten sind Fotodrucke der Umgebung oder heimatlicher Gebäude sehr beliebt; über ein Familienfoto als Blueprint freuen sich auch die, die schon alles haben.
Unser Tipp: um mit Beschichtung, Belichtungszeiten und Motiven vertraut zu werden, experimentieren zum Einstieg mit kleineren Stoffstücken einer einzigen Stoffqualität experimentieren (z.B. Crêpe de Chine 10), die später zu einem Patchwork (Schal, Tasche, Bild) zusammengesetzt werden können.

INSPIRATION - UNBEDINGT ANSCHAUEN:
Hier gibt es die kreativen Cyanotypien von Brunhilde Scheidmeir!
Eben habe ich noch die romantischen Leinenbezüge von Joanna Slotwinska gefunden!

2 Reaktionen zu “Blueprint (Cyanotypie): Fotodruck auf Stoff”

  1. Chris

    Hallo,

    also das mit dem Blaudruck auf Stoff mache ich inzwischen auch. Hat etwas gedauert bis ich den Dreh richtig raus hatte aber es klappt.
    Allerdings beschränke ich mich derzeit noch auf Beutel und ähnliche, nicht anziehbare Textilien, da ich mit dem Waschen arge Probleme hatte. Selbst annähernd neutrale Seifen lassen die Blaudrucke extrem verblassen und so hält der Spass eben nicht lange.
    Ich werde es nun mit ph-neutralen Syndets versuchen. Falls du aber noch weitere Erfahrungen zu diesem Thema hast lass mich/uns teilhaben.
    Gruß,

    Chris

  2. jeromin

    Ja, unbedingt ph-neutrale Waschmittel verwenden, da die Lauge die Farbe angreift. Viele Feinwaschmittel und spezielle Waschmittel für Seide und Wolle sind ph-neutral.
    Mit solchen Waschmitteln ist das Waschen bzw. Bleichen kein Problem.
    Viele Grüße, Sabine

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