Was Ihr schon immer über Blueprint wissen wolltet…?

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Blueprint auf gelb gefärbter Pongéseide
Das Foto gibt die Farben weniger intensiv wieder, als sie in Wirklichkeit sind, da wir für diese Probe eine sehr leichte Pongé05 verwendet hatten.

Blueprints gibt es nur in Blau - klar, aber sie können umgefärbt werden.
Da viele der Rezepturen mehr oder weniger giftig sind, wollen wir sie hier nicht vorstellen. Aber es gibt eine einfache Methode, das Blau mit Hilfe von Tee in ein schönes Braun umzuwandeln.
Dabei wird der Blueprint zuerst gebleicht, und zwar mit Hilfe eines ganz milden Akalis. Wir verwenden ganz normales Backpulver: ein Tütchen reicht. Das Backpulver wird in einer Schüssel Wasser aufgelöst und der Stoff hineingelegt. Bei mir dauerte das Bleichen gute zehn Minuten. Dann wird der Print ausgespült und nun in einem starken Sud aus schwarzem Tee gebadet. Die braune Pflanzenfarbe des Tees färbt zwar den gesamten Stoff ein, besonders stark aber den gebleichten Blueprint. Dieses Umfärben klappt vor allem mit kontraststarken Prints, bei schwachen Drucken geht der Druck schnell verloren.
Ein Tip für alle, die mehr wissen wollen: Blueprint oder Cyanotypie wird von den Fotografen zu den “Edeldruckverfahren” gerechnet, und es gibt eine riesige Menge an alten Rezepten.

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Dieser Print wurde anschließend mit Silkolor überfärbt.

Blueprints können mit Textilfarben überfärbt werden. Dabei wird der gesamte Stoff getönt: sowohl die blauen Flächen wie auch die hell gebliebenen. Wichtig: Alkali bleicht Blueprints, deshalb keine Reaktivfarbe mit Soda (z.B. Procion MX) verwenden.
Säurefarbe geht bei Seide und Wolle sehr gut, neutral eingestellte Reaktivfarben wie “Silkolor” eignen sich ebenfalls. Textilfarben sind nie deckend:bei einer Gelbfärbung werden die hellen Stellen gelb, der Blueprint erschein in Grün.
Vorgefärbte Stoffe eignen sich sehr gut für Blueprint! Auch hier mischt sich das Blau des Drucks mit der Hintergrundfarbe (siehe Abbildung oben).
Die fertig angemischte Blueprintlösung besitzt nur eine begrenzte Haltbarkeit von einigen Wochen, da die Lösung auch auf Wärme und andere Umwelteinflüsse reagiert. Sie muss ja leicht reaktiv sein, sonst würde sie sich nicht zum “Fotografieren” eignen!
Die beiden einzelnen Eisensalze sind trocken oder in Lösung über längere Zeit stabil. Erst nach dem Mischen werden sie empfindlich. Chemikalien und Farben sollten immer kühl, trocken und dunkel gelagert werden, so halten sie am besten.
Die Intensität des blauen Tons kann durch zwei Faktoren verstärkt werden: durch die Verlängerung der Belichtungszeit und durch die Stärke der Lösung.
Die Stärke einer Belichtung kann mit einem Teststreifen gut kontrolliert werden.
Unser Rezept (die beiden Salze in 200ml Wasser) lässt sich in Maßen verändern, um die Farbstärke zu erhöhen. Manche Fotografen nehmen etwa zehn Prozent weniger Wasser, also nur etwa 180ml. Wir haben dies selbst noch nicht getestet, sondern nur gelesen.
Natürlich freuen wir uns, wenn Ihr von Euren eigenen Erfahrungen berichtet!

Eine Reaktion zu “Was Ihr schon immer über Blueprint wissen wolltet…?”

  1. Luitgard Möschle

    Sehr geehrter Herr Jeromin,
    ich danke Ihnen, daß Sie uns an Ihren Versuchen so ausführlich teilhaben lassen.
    Ich habe übers Wochenende mit diesem Verfahren experimentiert
    und ich persönlich halte meine Versuche für das erste Mal für gelungen.

    Da ich selbst keine Liebhaberin der Farbe blau bin - sondern eher kräftige, knallige Farben - wie rot oder orange oder pink - liebe, wäre es mir natürlich recht, wenn eben auch diese Knallfarben dabei heraus kämen.

    Allerdings: Würde es aus meiner Sicht dann eben den Charakter des “BLUEprints” dermaßen entfremden.

    So werde ich meine Experimente in BLUE weiterverarbeiten.
    Eine Herausforderung ? Mal sehen, was dabei herauskommt.

    Es hat Spaß gemacht - und es war bestimmt auch nicht das letzte Mal.

    Danke!

    Liebe Grüße Luitgard Möschle

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